Freitag, 1. Juni 2007

Die Homofalle schnappt zu...

Okay, das könnt jetzt gut und gern der Titel eines Schwulenpornos sein, ist es wahrscheinlich auch, eigentlich geht’s in dem Blog auch drum. Passt ja. Eigentlich wollte ich die Welt mit einer Anekdote langweilen, wie sie so schlecht auch wieder nicht ist.

Es begab sich also zu der Zeit, als wo ich in Osnabrück wohnte. Achtung, jetzt kommts dicke und alles auf einmal. Nicht, dass es reichen würde, dass ich in der Möserstraße gewohnt habe, meine 4er WG lag im 2ten Stock in schönster Bahnhofsnähe an einer Kreuzung am Zentralen Busbahnhof, wo die Busse im Minutentakt vorbeifahren. Im Erdgeschoss Men’s Life, ein homoerotisches Erlebniszentrum mit mehreren Videokabinen und nettem Besitzer, der auch im fünften Stock wohnte und zugleich den Hausmeister gemacht hat. Im vierten Stock gingen zwei Prostituierte ihrer Lebensaufgabe nach, die auch ein kleines rotes Herz an der Klingel angebracht hatten. Man sollte meinen das würde genügen, aber so manch ein Herr klingelte trotzdem bei uns, was immer wieder zu peinlichen Situationen führte. Die Tatsache, dass ausser unserem schwulen Hausmeister, den Nutten und uns das Haus leer stand, hatte den Vorteil, dass man die Musik so laut machen konnte wie man wollte und ließ einen ziemlich leicht jede Person an der Klingel und im Treppenhaus, die nicht zu uns wollte, als Freier erkennen. Der Men’s life Besitzer zumindest hatte einen festen Freund. Gespräche an der Gegensprechanlage liefen ungefähr so:

Ich so: Hallo!?

Typ: Ja hallo.

Ich so: Ja?

Typ so: Ich wollt nach oben.

Ich so: Wie nach oben?

Typ so: Ja nach oben…

Ich so: TICK TICK TICK KLICK… Ah so, ja ne, falsche Klingel!

Gut dass die Leute dann ab und an auch nicht wussten in welcher Etage sich ihr Glück befand und dann noch mal direkt vor unserer Wohnungstür standen. Einmal bekam eine der Ladys gerade nen sprichwörtlichen Einlauf im Hauseingang von ihrem Zuhälterkollegen, ein fröhliches Hallo meinerseits auf dem Weg nach draußen konnte die Situation keineswegs auflockern und wurde auch nicht erwidert. Schade. Einen weiteren total Clichézuhälter hab ich dann auch noch mal gesehen, langer roter Pferdeschwanz, Satinhemd aufgeknöpft, Sonnenbrille, Pluderhose und schon ziemlich geleckter Typ. Tse.

Weiter zur Wohnsituation. Im Hinterhof war eine getarnte Wäscherei. Irgendwie haben die Girls da Wäsche gebügelt und bei Bedarf auch mal wen rangelassen. Mein Mitbewohner hat sich ganz gut mit dem Puffbesitzer verstanden, allerdings nur wegen des Parkplatzes im Hof, wo er seine Karre geparkt hat. Der Puffbesitzer, von uns liebevoll Puffy genannt, hat mich dann auch mal morgens wach geklingelt, weil er mit seinem ziemlich massiv gebauten Kollegen auf sein Puffdach musste. Eine wunderschön von uns als Dachterrasse umfunktioniertes Teerdach, riesengroß und nur wir hatten Zugang über ein Fenster. Schon geilo. Jedenfalls wollt er seine Sattelitenschüssel neu ausrichten. Netter Typ auf jeden fall. Hätte er aber auch gern 3 stunden später klingeln können, dann hätte ich vielleicht die Augen auf gehabt und wäre nicht mehr ganz so verkatert gewesen. Der Blick vom Dach in den Hinterhof, in dem eine nachtaktive Autowerkstatt den Anhang zu einer türkischen Spielothek bildete, werde ich auch so schnell nicht vergessen.

Direkt neben unserem Haus, quasi ohne Zwischenraum, direkt mit Wand zu Wand Kontakt, „Gerdas Frühkneipe“. „Bist du noch nicht müde, und willst noch nicht ins Bette, dann geh doch in die Frühgaststätte!“ Jo, gesagt getan, mein einziges Herrengedeck das ich je da zu mir genommen habe, Bier und ein Korn, hab ich dann direkt bei mir daheim wieder erbrochen. Sorry, aber Korn ist ja nun mal ein Getränk welches bei mir Brechreiz erzeugt. „Gerdas Frühkneipe“…Erinnerungen…Melancholie…Geöffnet nur an Wochenenden und Feiertagen ab 6 Uhr morgens. Dann vornehmlich aufgesucht von Engländern, weil Osnabrück irgendwie Stützpunkt der Tommys ist und die ja bekanntlich gerne viel trinken. Und was machen Tommys noch so, vor allem wenn sie betrunken sind? Genau, sie hauen sich auf die Fresse. Und was macht die Deutsche Polizei, wenn sich Tommys untereinander auf die Fresse hauen? Nichts, genau, dürfen die dann wohl nicht, da haben die Tommys ihre eigenen Cops. Und was machen verkaterte Studenten Sonntag morgen um 11h? Stehen mit Kaffee am Fenster und sehen zu, wie sich Tommys auf die Schulter klopfen, die Polizei tatenlos daneben steht und wundern sich. Und was macht meine Mutter wenn sie mich um 14h besuchen kommt? Wundert sich über das Blut auf dem Gehsteig. Und was machen die Frühgaststättengänger bevor die Gaststätte aufmacht? Liegen bei mir im Hauseingang und ich muss drüber steigen. Und was machen die Frühgaststättengänger bevor sie sich verhauen? Sie singen zu immer der gleichen CD mit, quasi eine Endlosschleife aus Hits, ein Potpourri des Besten was der Markt so hergibt oder auch vor Jahren hervorgebracht hat. Wie sich das auf meine Matratze ohne Bettgestell übertragen hat, brauch ich wohl nicht erwähnen und dass mein allererster morgen im neuen trauten Heim ein Sonntag war wohl auch nicht. Ich bin jedenfalls leicht panisch aufgewacht und hab mich gefragt, wo ich da rein geraten bin. Am dritten Wochenende hab ichs allerdings schon nicht mehr wahrgenommen und nach einem Jahr konnt ich nicht mehr ohne. Son quatsch.

Unsere Vermieterin war eher ein Geist, angeblich wohnhaft in Süddeutschland, hat nur durch Briefe auf sich aufmerksam gemacht, in denen sie meinte, ein „Mietvertrag ist kein Micky Maus Heft“ das man halt so unterschreibt, und „nachdem sie jetzt endlich die Kurden und Türken aus dem Haus hat, will“ sie „keinen Taubenschlag für mittellose Studenten“ eröffnen. Dass unsere Küche, inclusive Bad, weggeschimmelt ist, war ihr irgendwie auch egal, die Mietminderung nicht. Da wurde die Olle fuchsig. Ich glaub sie hat uns dann doch mal besucht und ist dann irgendwann Pleite gegangen und hat das Haus verkauft, dann gab es auch ne neue Küche und mein schwarzer Mitbewohner konnte wieder beruhigt weiterleben. Konnte ja keiner ahnen, der heiß immerhin White. Welch ein drolliger Zufall.

Was für eine Geschichte, aber das ist erst die Vorgeschichte. Der wirklich lustige Part kommt erst noch.

Mein Mitbewohner mit Vorliebe für Musik, Erasco Fertigmenüs und Ebay hatte im eben genannten online Markt ein Faxgerät für seinen Herrn Papa gekauft und dazu irgendwas Kleines. Es klingelt also an unserer Tür und eine etwas schwule Stimme sagt, ich hab hier n Paket für euch. Ich mit meiner irgendwie etwas langen Leitung damals denke noch, was ist denn das für ein schwuler Postbote. Vielleicht sollte ich mal erwähnen, dass mich das nicht stört mit dem schwul sein und so, jedem das seine. Aber nu, er hatte halt diesen typischen schwulen Touch in der Stimme. Jedenfalls wollte er meinen Vorschlag, den Kram in zweiten Stock zu schleppen nicht nachkommen, trotz des Aufzugs, und meinte, ich könne mir das mal schön selbst holen. Ich immer noch in dem Gedanken, dass sei der Postbote, denk mir, dass das mal ne ganz schön faule Sau ist und renn die Treppe runter. Als dann weder Paket noch Postmann vor der Tür war, hab sogar ich geschnallt was die Stunde geschlagen hatte, Paket im „Men’s Life“ abgegeben. Nicht mal meins. Gut, egal, wie sieht denn der „Mens Life“ von innen aus? Interessante Frage und nicht wirklich ne Überwindung da mal reinzuschauen. Wie groß waren die Faxgeräte eigentlich im Jahr 2002 und wie groß die Kartons drum herum? GROSS! Ich also Paket abgeholt und raus aus dem Laden, ein Paket aufm Arm von der Größe einer kleinen Oma und obendrauf, quasi als zusätzliches Bonbon, ein Minipaket. Das in dem Moment natürlich zwei Busse an der Ampel vor dem Sexshop stehen ist auch klar. Da konnte ich mir selbst das Grinsen nicht mehr verkneifen und hab das Superschwuliriesenspaßpaket schön „nach oben“ gebracht.

Die Geschichte in der Geschichte…

Es war dunkel an jenem Abend, das flackernde Licht der Straßenlaterne…hat ehrlich gesagt ziemlich konstant durchgeleuchtet und nicht geflackert, kommt aber in der Vorstellung viel aufregender rüber. Ich führ meinen Teil war jedenfalls auf dem Sprung. Der Herr Benjamin wollte mich mit seinem Vehikel abholen und gen Alex Skatehall befördern, zwecks Konzert oder so. Spät dran wie immer hechte ich mich sportlich zur Wohnungstür heraus, zeitgleich nimmt Benjamin in Manier eines James Bond die Abfahrt, gedacht nur für Busse, aber welcher Penner hat schon Bock einmal um Pudding zu fahren, nur weil da nur Busse lang dürfen? Genau, keiner. Egal, todesmutig und lebensmüde fährt Benni seinen Golf 2 auf den Gehsteig vor meiner Tür und leuchtet den Innenhof aus. Ich springe die erste Treppen hinunter, höre einen Hund bellen im Hof, kann aber im dunkel der Nacht nichts erkennen, nicht mal, obwohl James mit voll Fernlicht den Hof ausleuchtet wo der Puff ist. Benni setzt zurück, der Motor läuft, ich erreiche die den Hauseingang und hechte auf den Gehsteig. Eine fluchtähnliche Situation. Findet auch die Polizei in Undercover, die aus dem Hof kommt. Ihr Schäferhund verkleidet als Schäferhund findet das auch. Gut, erstmal anhalten und nichts tun, sonst wird man evtl. noch erschossen oder vom Hundie liebevoll abgeschlabbert und zerkaut. Naja, die Polizei, dein Freund, Helfer und vor allem Wichtigtuer wie ich finde. Der dumme Hund wollte sich jedenfalls gar nicht mehr einkriegen vor Freude Benni und mich zu treffen und wurde erstmal ins Auto gebracht, nicht in Bennis, sonst wäre der jetzt wohl tot. Unser Abgang hat sich auf jeden fall um einige Minuten verzögert, zwecks Personalienaufnahme, irgendwie sind wir da in ne Razzia rein geraten, bzw. Benni hat etwas Licht in die Puffsituation im Hof gebracht.

An das Konzert danach kann ich mich nicht mehr erinnern, also kann es so schlecht nicht gewesen sein, man erinnert sich ja immer gern an schlechte Dinge.

2 Kommentare:

Der Be hat gesagt…

yeeeeeeeeeeeeeeeeeeeha!

wenn ich mich recht erinnere war das das dico ensemble konzert,oder?egalm die story ist auf jedenfall groß!

Trampas hat gesagt…

sehr schön. und das konzert danach war ja ebenfalls eher... seltsam. ich sag mal "never heard of it" und "never appeared on stage"! tobi, ich liebe dich!